Datum/Zeit
16/03/2021
18:00 - 19:00
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Art der Veranstaltung
Online-Veranstaltung, Vortrag/Diskussion

Veranstaltungsort
Darmstadt, Darmstadt, Darmstadt,

Veranstaltungsbereich
Sonstige

Veranstaltungsthemen
Medien/Hate Speech, Menschenrechte

Veranstalter
Stiftung gegen Rassismus und Deutsches Feuerwehr Museum

Webseite


Beschreibung

Vor sieben Jahren hat der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière angesichts der seit 2011 im Rahmen des Bürgerkriegs in Syrien durch den „Islamischen Staat“ (IS) ebenso wie durch die Schergen des Assad-Regimes verübten Greuel Stellung bezogen. Am 29.10.2014 zitierte ihn der Berliner Tagesspiegel vor dem Hintergrund von damals geschätzt 450, überwiegend in der BRD geborenen und hier sozialisierten deutschen IS-Kämpfern mit den Worten: „Wir müssen verstört zur Kenntnis nehmen, wie dünn die Schicht der Zivilisation offenbar ist!“ Tragischerweise ist Letzteres im Grunde genommen keine wirklich neue, sondern nur eine immer wieder verdrängte Erkenntnis von erschreckender Kontinuität!

Sprechen wir über Rassismus in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen, so werden meist immer wieder besonders einprägsame Beispiele, wie der Antisemitismus, die Unterdrückung indigener Völker in den einstigen Kolonien, die Diskriminierung farbiger Menschen u. v. m. angeführt.

Tragischer und völlig unverständlicherweise erstarken auch europaweit erneut nationalistisches und rassistisches Gedankengut in einem erschreckenden Ausmaß.

Das Spektrum kann von der unbewusst-unreflektierten Nutzung allgemein verbreiteter Redewendungen, wie z. B. „der hat mich ge-türkt“, über Mobbing, Hatespeech, körperliche Angriffe, Mord und Totschlag bis hin zum planmäßig organisierten, staatlich legitimierten Morden reichen.

Wenn wir heute vom sicheren Wohnzimmersofa aus allabendlich die Berichterstattung(en) verfolgen, die viel zu oft und mit zunehmender Tendenz Greueltaten im Namen von Rassismus schildern, so weisen die meisten dies mit Befremden weit von sich, fast wie eine im Kulturkreis des christlich-humanistisch geprägten Abendlandes unvorstellbare Geisteshaltung.

Deshalb ist es sinnvoll, an dieser Stelle einmal gut 100 Jahre zurückzublicken, als sich die europäischen Völker im zweiten Jahrzehnt des 20. Jh. in ein menschenverachtendes Gemetzel unter Nachbarn hinein gestürzt haben. Ein zum „Völkischen Nationalismus“ degenrierter Patriotismus fand damals als eine von vielen Ausdrucksformen des Rassismus einen blutigen Höhepunkt von bis dato unvorstellbarem Ausmaß.

„Jeder Schuss- Ein Russ / Jeder Stoß – Ein Franzos / Jetzt woll’n wir sie mal dreschen!“, ist nur einer von vielen martialischen Slogans, die damals auf unterschiedlichen Kanälen verbreitet worden sind.

Dabei haben der unnatürliche gewaltsame Tod ebenso wie die unzähligen Verstümmelungen im Krieg viele, meist grausame Gesichter. Besonders befremdend erscheint die Erfindung und der Einsatz einer damals neuen, besonders menschenverachtenden Feuerwaffe, des Flammenwerfers. Sein Co-Erfinder, der deutsche Pionieroffizier Dr. Bernhard Reddemann, war nicht nur ein humanistisch gebildeter Bürger des wilhelminischen Kaiserreichs sondern zugleich im Zivilberuf Oberbranddirektor der Berufsfeuerwehr Leipzig.

Keine Religion der Welt ist davor gefeit, dass ihre Lehre von fanatisierten Anhängern missbraucht und ideologisch instrumentalisiert wird. Am 9. August 1931 wird in der Berliner Neuen Evangelischen Garnisonskirche (heutige Kirche am Südstern) das Ehrenmal der Flammenwerfer im Rahmen eines pompös inszenierten Festgottesdienstes geweiht. Das in diesem Ehrenmal deponierte Totenbuch des Flammenwerfer-Regiments endet mit dem Sinnspruch: „Der Flamme vernichtendes Feuer / warft ihr in der Feinde Schar; / nun scheine sie euch im leuchtenden Glanze der Ewigkeit / und sei euch ein Zeichen, daß ihr Glut / unsere Herzen erwärmt in dankbar gedenkender Liebe!“

Im Rahmen eines Online-Vortrags mit anschließender Diskussion widmen wir uns diesem traurigen Kapitel der europäischen Geschichte, das seinerseits ein beredtes Zeugnis von den fatalen Auswirkungen des Rassismus ablegt.

Link zur Veranstaltung: https://zoom.us/j/98536669240?pwd=NVVTZVBMZjJZSVVLMEx1a1Y3OFhhUT09, Meeting-ID: 985 3666 9240, Kenncode: 408618

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