Pressemitteilung der Stiftung gegen Rassismus

Engagement gegen Rassismus braucht ein breites Bündnis vor Ort

Darmstadt, den 06. Juli 2026

Tags: Ländliche Regionen

Engagement gegen Rassismus braucht in ländlichen Regionen ein breites Bündnis vor Ort

Ehrenamtliches Engagement gegen Rassismus ist in ländlichen Regionen eine große Herausforderung. Doch was ist dafür überhaupt wichtig und wie entsteht aus Impulsen und Initiativen Einzelner die Grundlage für ein wachsenden Bündnis? Das Amt Büsum-Wesselburen an der Nordsee zeigt eindrücklich, wie sich ein solches Bündnis entfalten kann, mit dem Ziel, zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus aktiv zu werden. Dort zeigt sich, wie das Bündnis aus den Impulsen Einzelner wächst, durch kontinuierliche Zusammenarbeit getragen wird und sich in einem gemeinsamen Lern- und Reflexionsprozess weiterentwickelt.

Das Amt Büsum-Wesselburen beteiligte sich in diesem Jahr mit 15 Veranstaltungen an den Internationalen Wochen gegen Rassismus – und übertraf damit das Engagement des Vorjahres deutlich. Das vielfältige Programm wurde von einem breiten Bündnis getragen. Federführend war der Verein Büsum bleibt bunt e.V., der gemeinsam mit der Kommune und dem Bürgermeister ein Netzwerk aufgebaut und damit gezeigt hat, wie sich Engagement gegen Rassismus auch im ländlichen Raum nachhaltig organisieren lässt.

Im März 2025 nahm Büsum erstmals an den Internationalen Wochen gegen Rassismus teil. Mit einer Flaggenhissung vor dem Rathaus und einer Lesung in der Kirche setzte der Ort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ein Zeichen gegen Rassismus. Initiiert wurde die Beteiligung vom Verein Büsum bleibt bunt e.V., der sich ein Jahr zuvor gegründet hatte und sich für Demokratie, Solidarität und Vielfalt einsetzt. Im Laufe des Jahres wurde die Vereinsvorsitzende und Initiatorin der Büsumer Wochen gegen Rassismus, Britta Baar, auf das Projekt „Kommunen für Demokratie und gegen Rassismus“ der Stiftung gegen Rassismus aufmerksam. Sie nutzte das Beratungsangebot, woraufhin das Amt Büsum-Wesselburen Modellkommune innerhalb des Projekts wurde. „Wir wollten die kommenden Aktionswochen nutzen, um uns stärker gegen Rassismus und für Vielfalt zu engagieren“, sagt Britta Baar.

Früh war klar, dass ein breites Netzwerk vor Ort notwendig sein würde, um das Engagement auszuweiten. Der erste Schritt war das Gespräch mit der Ehrenamtskoordination des Amtes Büsum-Wesselburen und dem Bürgermeister von Büsum. Beide zeigten sich aufgeschlossen. Rasch entstand eine Organisationsgruppe, die die Idee entwickelte, bei einem Vernetzungstreffen möglichst viele Akteur:innen einzubinden. Gemeinsam bereiteten sie das Treffen vor, das im Oktober stattfand. Die Koordination lag bei Frauke Düßmann, Ehrenamtskoordinatorin des Amtes Büsum-Wesselburen. Ein Vorteil, wie sich zeigte: „Eine hauptamtliche Schnittstelle für diese Arbeit zu haben, hat den großen Vorteil, dass sie Ressourcen stellen und zwischen Ehrenamt und Hauptamt vernetzen kann“, sagt Frauke Düßmann.

Zum Vernetzungstreffen kamen schließlich mehr als 50 Interessierte aus Schulen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung – eine eindrucksvolle Anzahl für eine ländliche Region. Nach kurzen Impulsen entwickelten die Teilnehmenden zusammen erste Ideen für Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswochen. Aus diesem Brainstorming und der anschließenden Auswertung gingen einzelne konkrete Veranstaltungsformate hervor. Die Planung erfolgte anschließend weitgehend autonom. Durch die Vernetzung konnten Ressourcen vermittelt und gegenseitige Unterstützung organisiert werden. Das Organisationsteam unterstützte vor allem bei der Vernetzung sowie bei der Koordination und Öffentlichkeitsarbeit für die Veranstaltungen.

Herausforderungen gab es zum Beispiel bei der Finanzierung von Projekten. „Einige Akteure konnten ihre Aktionen nicht selbst finanzieren. Da war es wichtig, dass wir Tipps zu Fördertöpfen geben und kommunale Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit einbringen konnten“, erklärt Düßmann. Die zeitliche Diskrepanz zwischen Veranstaltungsplanung und Förderzusagen stellte zudem eine Schwierigkeit dar: Die Veranstaltungen wurden im Herbst für den folgenden März geplant, Förderzusagen kamen jedoch häufig erst zu Jahresbeginn oder im ersten Quartal. Das führte zu Unsicherheit darüber, ob Mittel überhaupt bereitgestellt werden können. Es gab aber auch andere Erfahrungen, in denen kurzfristig und unkompliziert Mittel zugesagt wurden. Die Ehrenamtskoordinatorin des Amtes konnte außerdem mit Mitteln für die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen (Anschaffung von Infomaterial, Flaggen, Druckkosten für Plakate). Oliver Kumbartzky, Bürgermeister von Büsum, betont die Rolle der Kommune: „Wenn eine Kommune beschließt, dass sie sich an den Aktionswochen beteiligen möchte, dann müssen auch Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.“ Daneben gibt es weitere Finanzierungsmöglichkeiten: Unternehmen können um Spenden gebeten, regionale Banken als Förderer gewonnen oder vorhandene Ressourcen genutzt werden. So spendete im Amt Büsum-Wesselburen ein Hotel die Übernachtung für die Autorin der Lesung, eine Bank spendete Mittel für Honorar und Reisekosten, die Kommune stellte Räume kostenfrei zur Verfügung und die Feuerwehr ihre Drohne für die Fotos der Menschenkette von Schulen und Kitas.

Während der Internationalen Wochen gegen Rassismus fanden im Amt Büsum-Wesselburen dann zahlreiche Veranstaltungen statt. Nach zwei großen Auftaktveranstaltungen mit Redebeiträgen der Innenministerin, des Landrats und lokaler Akteur:innen gab es Mitmachaktionen, Filmvorführungen, eine Lesung, ein internationales Café und mehrere interne Aktionen an Schulen und Kitas. Zum Beispiel stellte Brigitte Malungo in der Bibliothek am Meer ihr Buch „Meine Haut packt aus“ vor und las einzelne Passagen daraus vor; im Kino wurde der Animationsfilm „Das kostbarste aller Güter“ für Jung und Alt gezeigt. Alle Schulen und Kitas führten Mitmachaktionen und niedrigschwellige Bildungsangebote durch: Kitas gestalteten Plakate mit den Kindern und organisierten ein interkulturelles Frühstück für Eltern und Kinder, es gab eine gemeinsame Menschenkette der Schulen und Kitas, einen Aktionstag mit Workshops für alle Klassen sowie ein Interview mit einem von Rassismus betroffenen Polizisten an den weiterführenden Schulen. Die Sportvereine beteiligten sich mit einem Wochenende voller kostenfreier Sportangebote (von Tischtennis über Handball, diverse Fitnessangebote bis Aquafitness) unter dem Titel „Sport für alle“. 

Während die Sportangebote gut angenommen wurden, aber nur begrenzt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichten, wurden andere Angebote (z.B. zwei Workshops) kaum besucht. Häufig nahmen Besucher:innen teil, weil sie persönlich eingeladen oder von einzelnen Akteur:innen auf die Veranstaltungen aufmerksam gemacht worden waren. Entscheidend sei, dass die Akteur:innen Thema und Format auf ihre jeweilige Zielgruppe zuschneiden. Je niedrigschwelliger ein Angebot war, desto größer fiel die Resonanz aus – wie etwa beim Café gegen Rassismus. „Wie inhaltlich oder nachhaltig die Beschäftigung war, weiß man nicht. Aber vielleicht ist das auch gar nicht weiter schlimm, weil am Ende die Leute trotzdem mitgemacht und sich dem Thema angenähert haben“, sagt Britta Baar. Insgesamt fiel die Resonanz der beteiligten Akteur:innen sowie der Teilnehmenden positiv aus.

Die Organisator:innen sind mit dem großen Engagement und dem Verlauf der Aktionswochen sehr zufrieden. Dennoch bleiben Fragen offen: Wie lässt sich die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema vertiefen? Wie können Informationen von Bundesebene besser an die Engagierten vor Ort vermittelt werden? Und wie lassen sich weitere Akteure und Vereine für eine Mitarbeit gewinnen? Entscheidend sei, unterschiedliche Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Ehrenamt zusammenzubringen. Gerade im ländlichen Raum seien Vielfalt, Vernetzung und gemeinsames Engagement wesentliche Voraussetzungen für nachhaltige demokratische Arbeit. Und so bleibt abzuwarten, wie sich Akteur:innen in ländlichen Regionen in Zukunft engagieren.

Das Amt Büsum-Wesselburen hat gezeigt, dass sich auch kleine Kommunen engagieren und ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus zeigen können. Dabei helfen können Angebote wie das Projekt „Ländliche Regionen engagiert gegen Rassismus“ der Darmstädter Stiftung gegen Rassismus, das von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert wird. Das Projekt stärkt bundesweit zivilgesellschaftliches Engagement in ländlichen Regionen durch Beratung, digitale Schulungen und Vernetzungstreffen. Erstmals werden Ehrenamtliche aus Vereinen und Organisationen gezielt aufgerufen, begleitet und qualifiziert, um eigene Veranstaltungen gegen Rassismus durchzuführen – so, wie es Britta Baar und das Orgateam gemacht haben. Mehr Inspiration zu möglichen Aktionen erhalten Interessierte in den „IMPULSEN“ der Stiftung gegen Rassismus sowie in der „PRAXISBROSCHÜRE für kleine Kommunen“. Engagement gegen Rassismus braucht ein breites Bündnis vor Ort; und auch die Unterstützung politischer Entscheidungsträger. Einen Rat geben die Organisator:innen aus dem Amt Büsum-Wesselburen anderen Regionen mit auf den Weg: Das Thema könne auch über politische Gremien in die Kommune getragen werden – selbst dann, wenn sich der Bürgermeister nicht unmittelbar an den Aktionen beteiligt.

(c) Tobias Bachmann

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